Geschichtenerzählen für mehr Mädchen- und Frauenbildung weltweit!
Vom 2. bis 31. Mai 2011 fanden unter dem Motto „Erzähle uns eine Geschichte – Bildung für Mädchen und Frauen weltweit!“ die Aktionswochen der Globalen Bildungskampagne statt, an denen sich wieder zahlreiche Schulen sowie viele Vereine und Bibliotheken beteiligt haben.
Weltweit können 67 Millionen Kinder im Grundschulalter nicht zur Schule gehen, um lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Dabei ist das Recht auf Bildung ein fundamentales Menschenrecht. Mädchen haben es, vor allem in armen Ländern, besonders schwer dieses Recht wahrzunehmen. Dies setzt sich auch im Erwachsenenalter fort. So sind von insgesamt 759 Millionen erwachsenen Analphabet/innen weltweit zwei Drittel Frauen. Um dies zu ändern rief die Globale Bildungskampagne alle Interessierten dazu auf, sich an der Aktion „Erzähle uns eine Geschichte – Bildung für Mädchen und Frauen weltweit!“ zu beteiligen und sich dafür zu engagieren, dass bis 2015 alle Kinder eine gebührenfreie und qualitativ gute Grundbildung erhalten.
Schülerinnen und Schüler und alle, die mitmachten, waren aufgerufen, Geschichten über Mädchen und Frauen zu erzählen, deren Leben sich durch Bildung verändert hat. Dazu gehörten auch Geschichten, die das Leben von Mädchen und Frauen beschreiben, die bisher keine Schule besuchen konnten. Wie diese erzählt wurden – ob als Interview, als kleines Theaterstück, Lied, Gedicht, Kurzgeschichte, Comic, Foto oder Film blieb dabei jedem Aktionsteilnehmer selbst überlassen. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt.
Der Aufruf zeigte seine Wirkung: Uns erreichten viele Geschichten in den unterschiedlichsten Erzählformen. So widmete eine Projektgruppe des Helmholtz-Gymnasiums in Heidelberg dem Aktionsthema der Globalen Bildungskampagne zahlreiche Stunden, in denen sie einen siebenminütigen Kurzfilm drehte, der die fiktive Geschichte von Esperanza aus Nicaragua erzählt. Esperanza ist ein armes Mädchen, das bisher ohne Bildung auskommen musste und ein trostloses Leben in Angst und Verzweiflung führt. Ihre Geschichte gelangt an einen entscheidenden Wendepunkt, als sie mit einer Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation in Kontakt kommt, die ihr neuen Mut gibt und zugleich den Zugang zu Bildung ermöglicht.
Ebenfalls einen Kurzfilm fertigten die Schüler/innen der Klasse 6a der Staatlichen Realschule Bruckmühl an, die darin eine mögliche Zukunftsperspektive von Rosmary Mbambo entwerfen. Rosmary ist ein Mädchen aus Malawi, für das die Realschule Bruckmühl die Patenschaft übernommen hat und die es nun mit monatlichen Geldspenden unterstützt. Dazu werden regelmäßig Briefe mit dem Mädchen ausgetauscht. In dem Film gelingt es Rosmary, als einem von wenigen Mädchen ihrer Region, durch die finanzielle Hilfe der deutschen Schüler/innen, eine Schule zu besuchen. Es wird gezeigt, wie wissbegierig das Mädchen ist und wie schnell es lernt. Schließlich kann Rosmary durch ihre erlangte Schulbildung einen Beruf erlernen und wird am Ende des Films eine gut ausgebildete Ärztin, die Leben rettet. Die fiktive Geschichte der Realschule Bruckmühl ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich der Zugang zu Bildung auf das Leben eines Mädchens auswirken und dies zum Positiven verändern kann.
Das Kinderradio Radijojo hat zusammen mit der Wedding-Schule eine ganze Projektwoche zum Thema „Bildung für Mädchen und Frauen weltweit“ durchgeführt und Vertreterinnen der Globalen Bildungskampagne in Deutschland als auch der Global Campaign for Education mit Sitz in Südafrika zum Interview geladen. Letzteres konnte via Internetverbindung (Skype) ermöglicht werden und bildete für die Schüler/innen ein Highlight der Projektwoche. Die Aktion verdeutlichte den Schülerinnen und Schülern, dass die Bildungssituation von Mädchen in armen Ländern verbessert werden muss. Die Interviews gibt es auf der Radijojo-Webseite zum nachhören. Zum Abschluss spielten die Schüler/innen in gemischten Teams ein Fußballspiel unter dem Motto Kick it for girls! Der gesamte Bericht kann hier nachgelesen werden.
Bei einer Veranstaltung der Globalen Bildungskampagne im Curio-Haus in Hamburg, standen die Schüler/innen der Hamburger Klosterschule und der Stadtteilschulen Geschwister-Scholl und Winterhude im Mittelpunkt. Diese trugen durch das Vortragen einer Geschichte und anschließender Diskussion im Rahmen einer öffentlichen Unterrichtsstunde, an der auch Politiker aus Land und Bund teilnahmen, dazu bei, das Bewusstsein für die Bildungsmisere in armen Ländern zu schärfen. Unterstützt wurden sie auch durch Sandra Keck, Schauspielerin am Hamburger Ohnsorg-Theater, die ebenfalls eine Geschichte vorlas. Den vollständigen Bericht zur Hamburger Veranstaltung gibt es hier.
Auch viele andere Schulen unterstützten die Aktion und sendeten uns ihre Aktionsbeiträge in Form von unzähligen kurzen und langen Geschichten, die von den Schüler/innen geschrieben wurden. Neben diesen Geschichten in klassischer Erzählform erreichten uns auch selbstgemalte Zeichnungen und Comics, Fotos, selbstgeschriebene und aufgenommene Songs sowie am Computer erstellte Animationen und Powerpoint-Präsentationen zum Thema „Bildung für alle“, die jeweils dokumentieren wie das Thema im Unterricht behandelt wurde. In vielen Fällen wurden die Fallbeispiele und Übungen aus den Unterrichtsmaterialien der Globalen Bildungskampagne benutzt und dienten als Grundlage für viele eigene neue Geschichten. Manche der teilnehmenden Schüler/innen recherchierten darüber hinaus auch weitere Schicksale von Mädchen und Frauen, deren prekäre Bildungssituation sie in ihren Beiträgen und Geschichten verarbeiteten.
Zum Abschluss der Aktionswochen rief die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am 1. Juni im nordrheinwestfälischen Essen unter dem Fußball-Aktionsmotto „1GOAL – Kick it for girls“ der Globalen Bildungskampagne zu einem Mädchenfußballturnier auf. Zwölf Mannschaften, bestehend aus Schülerinnen der Grundschulklassen drei und vier, sind gegeneinander angetreten, um die Forderung auf das Recht für Bildung von Mädchen und Frauen weltweit zu unterstützen. Auf spielerische Weise lernten die Mädchen so mit Fairness und Teamgeist ihr Engagement auf dem Spielfeld auszudrücken. Der ausführliche Bericht von der GEW kann hier nachgelesen werden.
Wir möchten allen Teilnehmer/innen für ihre Unterstützung und ihr Engagement unserer Aktionswochen 2011 danken! Jeder einzelne Beitrag ist bedeutend in dem Bestreben auf die weltweite Bildungsarmut aufmerksam zu machen und hilft dabei, dass das Ziel „Bildung für alle“ etwas näher rückt!












