Die Initiative „Bildung für alle“ – Education for all (EFA)
„Bildung für alle“ – Education for all (EFA) – ist eine globale Initiative für die weltweite Bekämpfung der Bildungsarmut. Sie existiert seit mehr als 20 Jahren. Ihre Ziele und Strategien wurden von der internationalen Gemeinschaft auf zwei Weltbildungskonferenzen formuliert:
- auf der Bildungskonferenz von Jomtien 1990
- und auf dem Weltbildungsforum in Dakar im Jahr 2000.
Bildungskonferenz von Jomtien 1990
Auf der Weltbildungskonferenz im thailändischen Jomtien wurde die Initiative „Bildung für alle“ 1990 ins Leben gerufen. Organisiert von UNESCO, UNDP, UNFPA, UNICEF und Weltbank, kamen Delegierte aus 155 Ländern in Jomtien zusammen. In der Abschlusserklärung der Konferenz bestätigten sie, dass Bildung ein Menschenrecht ist. Sie formulierten die Absicht, jedem Kind bis 2000 eine gebührenfreie, hochwertige Grundbildung zu ermöglichen und schlossen eine Rahmenvereinbarung „Framework for Action to Meet Basics Learning Needs“ ab. Diese enthielt die Ziele und Strategien, mit denen „Bildung für alle“ bis 2000 erreicht werden sollte.
Doch da Regierungen und die internationale Gemeinschaft ihren Lippenbekenntnissen keine Taten folgen ließen, blieben konkrete Erfolge aus. So konnten 1995 rund 125 Millionen und im Jahr 2000 immer noch rund 106 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen.
Weltbildungsforum in Dakar 2000
Obgleich die internationale Gemeinschaft bei der Bekämpfung der weltweiten Bildungsarmut scheiterte, blieb das Ziel „Bildung für alle“ auf ihrer Agenda. Im Jahr 2000 kamen Delegierte aus 164 Ländern auf dem UNESCO-Weltbildungsforum in Dakar zusammen. Sie verabschiedeten das „Dakar Framework for Action“ und bekräftigten damit das Ziel der universellen Grundbildung, das diesmal bis zum Jahr 2015 erreicht sein sollte.
Sie formulierten darüber hinaus sechs Bildungsziele.
Die sechs „Education for All“-Ziele:
Ziel 1: Die frühkindliche Bildung soll ausgebaut und verbessert werden, insbesondere für benachteiligte Kinder.
Ziel 2: Bis 2015 sollen alle Kinder – insbesondere Mädchen, Kinder in schwierigen Lebensumständen und Kinder, die zu ethnischen Minderheiten gehören – Zugang zu unentgeltlicher, obligatorischer und hochwertiger Grundschulbildung erhalten und diese auch abschließen.
Ziel 3: Die Lernbedürfnisse Jugendlicher und Erwachsener sollen durch Zugang zu Lernangeboten und Training von Basisqualifikationen (life skills) abgesichert werden.
Ziel 4: Die Alphabetisierungsrate unter Erwachsenen, besonders unter Frauen, soll bis 2015 um 50 Prozent erhöht werden. Der Zugang Erwachsener zu Grund- und Weiterbildung soll gesichert werden.
Ziel 5: Bis 2005 soll die Ungleichheit zwischen Jungen und Mädchen in der Primar- und Sekundarbildung überwunden werden. Bis 2015 soll Gleichberechtigung der Geschlechter im gesamten Bildungsbereich erreicht werden, wobei der Schwerpunkt auf der Verbesserung der Lernchancen für Mädchen liegen muss.
Ziel 6: Die Qualität von Bildung muss verbessert werden.
Zwei der EFA-Ziele wurden in die acht Millennium-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals – MDGs) aufgenommen, auf die sich im Jahr 2000 die 189 Teilnehmerstaaten der UN-Millenniumskonferenz in New York geeinigt haben. Dabei handelt es sich um das Ziel der universellen Grundschulbildung für alle Kinder und um das Ziel, die Geschlechterdisparitäten abzubauen.
Die Globale Bildungskampagne fordert die Umsetzung der EFA-Ziele und begleitet diesen Prozess kritisch.
Trotz ihres einhelligen Bekenntnisses zu den EFA- und Millennium-Entwicklungszielen tun die Regierungen noch viel zu wenig, um die Zielvorgaben zu erreichen. Reiche Länder müssen viel mehr Geld in die Hand nehmen, um armen Ländern bei der Umsetzung der nationalen Bildungskonzepte unter die Arme zu greifen. Die Regierungen in armen Ländern müssen ihrerseits den politischen Willen für „Bildung für alle“ aufbringen und praktikable Strategien entwerfen, wie das Ziel erreicht werden kann. Dazu müssen sie sich mit allen für Bildung zuständigen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren beraten und zusammenarbeiten.
Das Jahr 2015 rückt nahe und immer noch können über 57 Millionen Kinder nicht in die Schule gehen. Wenn Regierungen ihre Anstrengungen nicht intensivieren, werden laut dem aktuellen Weltbildungsbericht der UNESCO 2015 sogar wieder mehr Kinder nicht zur Grundschule gehen können.





