Das Menschenrecht auf Bildung
Bildung hat eine zentrale Bedeutung für die menschliche Entwicklung. Sie ist wichtig, um die Persönlichkeit zu entfalten. Deswegen zählt Bildung zu den Menschenrechten.
Menschenrechte sind universelle und unveräußerliche Rechte, die alle Menschen besitzen. Dabei spielt es keine Rolle, welches Geschlecht oder Alter sie haben, ob sie an Gott glauben, wo sie wohnen oder welche Farbe ihre Haut hat.
Das bedeutendste Menschenrechtsdokument ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Sie garantiert auch das Menschenrecht auf Bildung.
Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte:
(1) Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunterricht müssen allgemein verfügbar gemacht werden, und der Hochschulunterricht muss allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen.
(2) Die Bildung muss auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muss zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des Friedens förderlich sein.
(3) Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die ihren Kindern zuteil werden soll.
Quelle: Office of the High Commissioner for Human Rights
Dass Menschen ein Recht auf Bildung haben, ist in verschiedenen Menschenrechtskonventionen und –abkommen immer wieder bestätigt worden. Das Recht auf Bildung ist Bestandteil
• des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (1966), Artikel 13 (ratifiziert von 160 Staaten)
• der Frauenrechtskonvention (1979), Artikel 10 und 11 (ratifiziert von 189 Staaten)
• der Kinderrechtskonvention (1989), Artikel 28 und 29 (ratifiziert von 193 Staaten)
Bildung — Grundlage für ein gutes Leben
Bildung ist nicht nur Selbstzweck, sondern sie wirkt sich positiv auf nahezu alle Lebensbereiche aus.
Bildung hilft, Armut zu bekämpfen
- Menschen mit Schulbildung haben bessere Aussichten auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz.
Bildung fördert die Gesundheit
- Bildung versetzt Mütter in die Lage, Gesundheitsvorsorge zu betreiben und Infektionskrankheiten zu verhindern.
- Je mehr Bildung jemand hat, desto besser kümmert er sich um die Gesundheitsvorsorge. Pro Jahr könnten 700 000 HIV-Neuinfektionen verhindert werden, wenn alle Kinder eine Grundschulbildung erhalten würden.
Bildung rettet Leben
- Kinder sind weniger gefährdet, im Frühkindalter zu sterben, wenn ihre Mütter wenigstens einen Grundschulabschluss haben.
Bildung dämmt das Bevölkerungswachstum ein
- Frauen mit Bildung bekommen weniger Kinder und betreiben häufiger aktive Familienplanung als Frauen ohne Bildung.
Bildung stärkt Demokratie, Freiheit und Geschlechtergerechtigkeit
- Bildung fördert demokratische Einstellungen und tolerantes Verhalten bei den Menschen.
- Menschen werden mit Bildung in die Lage versetzt, für ihre eigenen und die Rechte anderer einzutreten.
- Gebildete Frauen sind höher angesehen in ihren Familien und der Gesellschaft.
- Mädchen und Frauen mit höherem Bildungsstand kennen ihre Rechte.
Bildung lässt die Wirtschaft wachsen
- Bildung vermittelt Wissen, das für die wirtschaftliche Entwicklung wichtig ist.
Millionen Menschen sind immer noch von Bildung ausgeschlossen
Ca. 67 Millionen Kinder im Grundschulalter gehen derzeit nicht in die Schule. Ungefähr 796 Millionen Erwachsene sind Analphabeten. Besonders in armen Ländern fehlen Schulen für die Kinder und Alphabetisierungskurse für die Erwachsenen.
Die nationalen Regierungen und die internationale Gemeinschaft müssen endlich mehr Geld für Bildung in die Hand nehmen und es dorthin geben, wo es gebraucht wird – bei den Mädchen und Jungen, Frauen und Männern, die lernen wollen. Sie haben ein Recht darauf.





